Zum Inhalt springen
Checkliste · Für Insolvenzverwalter

Die ersten 72 Stunden: Checkliste zur Sicherung der Masse

In den ersten 72 Stunden nach Insolvenzantrag oder Bestellung als vorläufiger Verwalter entscheidet sich, ob die Masse vollständig bleibt: Zugänge sichern, Bestand mit Fotos erfassen, Fremdrechte zuordnen und laufende Kosten prüfen. Diese Checkliste ordnet die Aufgaben in drei Zeitfenster – aus Sicht der Verwertung von Maschinen, Anlagen, Vorräten und Fuhrpark.

Stunde 0 bis 24: Zugriff sichern

Am ersten Tag geht es nicht um Werte, sondern um Kontrolle. Wer den Betrieb betreten kann, wer Schlüssel und Fahrzeugpapiere hat und was gerade das Gelände verlässt, entscheidet über die Vollständigkeit der Masse.

  • Schlüssel, Codes, Transponder und Fahrzeugschlüssel einsammeln und auflisten
  • Zugänge und Tore sichern, bei Bedarf Schließzylinder tauschen
  • Fahrzeugpapiere sicherstellen
  • Laufende Abholungen und Lieferungen stoppen oder dokumentieren
  • Ansprechpartner im Betrieb benennen: Werkstatt, Lager, Buchhaltung
  • Versicherungsschutz für Gebäude, Inhalt und Fahrzeuge prüfen

Stunde 24 bis 48: Bestand erfassen

Am zweiten Tag wird aufgenommen, was da ist – Position für Position, mit Standort, Zustand und Foto. Diese Aufnahme ist später die Grundlage für das Verzeichnis der Massegegenstände nach § 151 InsO und für jede Bewertung.

  • Maschinen und Anlagen mit Typenschild, Baujahr und Seriennummer fotografieren
  • Fahrzeuge mit Kilometerstand, Betriebsstunden und Prüfterminen erfassen
  • Vorräte, Ersatzteile und Halbfertigware zählen oder schätzen und fotografieren
  • Fremde Ware und Kundeneigentum gesondert kennzeichnen
  • Zustand und erkennbare Schäden festhalten, bevor etwas bewegt wird

Stunde 48 bis 72: Rechte klären und Kosten prüfen

Am dritten Tag wird zugeordnet: Was gehört zur Masse, was ist geleast, was ist sicherungsübereignet oder unter Eigentumsvorbehalt geliefert? Gleichzeitig laufen Kosten weiter, die die Masse belasten.

  • Leasing-, Miet- und Mietkaufverträge zusammentragen
  • Sicherungsübereignungs- und Raumsicherungsverträge der Banken anfordern
  • Lieferanten mit Eigentumsvorbehalt erfassen
  • Laufende Kosten prüfen: Energie, Miete, Lager, Wartungsverträge
  • Verderbliche oder schnell an Wert verlierende Ware identifizieren
  • Erste Weichenfrage klären: Fortführung möglich oder Stilllegung wahrscheinlich?

Vier Fehler, die in den ersten Tagen Geld kosten

Die meisten Verluste entstehen nicht beim Verkauf, sondern davor – in den Tagen, in denen noch niemand den Überblick hat.

  • Maschinen werden bewegt oder abgeholt, bevor sie fotografiert sind
  • Leasinggut wird mit Massegut vermischt, später fehlt der Nachweis
  • Energie und Heizung laufen weiter, obwohl die Halle stillsteht
  • Fahrzeuge stehen ohne Versicherung oder werden weiter genutzt

Die Checkliste auf einen Blick

Zeitfenster
Ziel und Ergebnis
Stunde 0–24
Zugriff gesichert: Schlüssel, Zugänge, Papiere und Fahrzeuge unter Kontrolle, Abflüsse gestoppt.
Stunde 24–48
Bestand erfasst: jede Position mit Standort, Zustand und Foto – Basis für das Verzeichnis nach § 151 InsO.
Stunde 48–72
Rechte zugeordnet und Kosten geprüft: Leasing, Sicherungsübereignung und Eigentumsvorbehalt geklärt.
Danach
Bewertung mit Fortführungs- und Liquidationswert, Entscheidung über den Verwertungsweg.

Dieser Beitrag dient der allgemeinen Einordnung und ersetzt keine Rechtsberatung im Einzelfall. Für die rechtliche Bewertung eines konkreten Falls wenden Sie sich an den zuständigen Insolvenzverwalter oder eine Rechtsanwaltskanzlei.

Häufige Fragen zu den ersten Tagen

Kontrolle über Zugänge, Schlüssel und Fahrzeuge. Was in den ersten Stunden das Gelände verlässt, ist für die Masse schwer zurückzuholen.

In der Regel nicht. Im Eröffnungsverfahren wird gesichert und dokumentiert; verkauft wird nur ausnahmsweise, etwa bei verderblicher Ware oder drohendem Wertverfall.

Fotos belegen Bestand und Zustand zum Stichtag. Sie sind Grundlage für das Verzeichnis der Massegegenstände, für die Bewertung und für Gespräche mit Banken und Leasinggebern.

Im Nordwesten zwischen Emsland, Osnabrück und Oldenburg bin ich in der Regel am selben oder nächsten Werktag vor Ort und beginne mit Sicherung und Bestandsaufnahme.

Antrag gestellt – und jetzt?

Ich sichere, erfasse und bewerte – oft schon am Tag des Anrufs, im gesamten Nordwesten.

Zurück zur Startseite
Anrufen WhatsApp